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Serie Gleichnisse
Eine Geschichte über einen Geschäftsmann
Ein Geschäftsmann ist durch die wirtschaftliche schlechte Lage und durch falsche Einschätzung der Investitionen in eine verheerende finanzielle Situation geraten. Die Darlehen, die Hypotheken waren längst überschritten. Und so musste er bei seinen Geldgebern antraben. Der Geschäftsmann hatte innerlich schon aufgegeben. Er würde Konkurs anmelden müssen und sogar mit einer Gefängnisstrafe rechnen müssen.
Zu seinem Erstaunen kam aber alles ganz anders. Die Geldgeber reagierten mit Verständnis. Sie gaben dem Geschäftsmann zu verstehen, dass sie seine Machenschaften missbilligten, aber ihm doch noch einmal eine Chance geben wollten. Wie durch ein Wunder wurden ihm alle Schulden erlassen und ein neuer Kredit gewährt. Der Mann kam fast nicht aus dem Staunen heraus. Halb benommen vor Freude über das unvorstellbare Glück, das ihn getroffen hatte, fuhr er nach hause. Als er sich einigermassen gefasst hatte, fing er an, allen von seiner Freude zu erzählen und lud seine Angestellten und Freunde zu einem Fest ein. All denen, die bei ihm in der Kreide standen, gab er eine neue Chance.
Dieses glückliche Erlebnis prägte das Leben des Geschäftsmannes von nun an so sehr, dass er voller Freude lebte. Er setzte alles daran, nicht mehr in Schulden zu geraten und er half anderen dabei ihre Schulden los zu werden.
Eine Geschichte, deren Tragik und Auswirkungen wir gut nachvollziehen können.
Ist Dir dabei etwas aufgefallen?
In der Bibel findet sich auch so eine Geschichte. Der Erzähler ist Jesus. Allerdings fällt auf, dass die oben erzählte Geschichte nicht ganz derjenigen von von Jesus über den "unbarmherzigen Schuldner" entspricht. Meine Geschichte ist schön gemalt. Ich habe die unangenehme Wahrheit, das unvollkommene Ergebnis beschönigt, verharmlost, jedenfalls besser dargestellt, gegenüber der Situation im Gleichnis von Jesus .
Matthäus 18,23-34
Vom unbarmherzigen Schuldner
Text lesen
Wir sind mit einem Gleichnis von Jesus konfrontiert. Es ist eine kurze, bildhafte Erzählung, die einen abstrakten Sachverhalt durch einen Vergleich veranschaulicht. Das Bild (die erzählte Geschichte) und die eigentliche Bedeutung (die Botschaft) werden dabei zueinander in Beziehung gesetzt.
- Worum geht es im Gleichnis vom unbarmherzigen Schuldner?
- Gibt es etwas was wir verstehen sollen?
Austausch über die Fragen im Plenum:
Auf die Antwort, der unbarmherzige Schuldner habe nicht begriffen, dass er anderen vergeben muss, die Frage stellen, wieso er es nicht getan habe (aus Geldgier oder Sadismus?)
Anderen Vergeben, das ist lediglich die Folge davon, dass einem selbst vergeben worden ist. Der unbarmherzige Schuldner hat nicht verstanden, was Vergebung bedeutet. Er hat nicht verstanden, wie gross die Gnade für seine Vergebung gewesen ist.
Es hätte ein Fest werden können, ein Fest sein sollen, wenn dieser Mann begriffen hätte, worum es eigentlich gegangen ist. Doch so ist alles ganz anders gekommen. Es geht darum so viel schief, weil wir nicht begreifen.
- Ausgangspunkt für das Gleichnis war die Frage von Petrus in Vers 21:
"Wie oft muss ich meinem Bruder, der an mir schuldig geworden ist vergeben? Ist 7x genug?"
Wie ist diese Frage einzuordnen? Was steckt dahinter? Warum nennt Petrus in diesem Zusammenhang gerade die Zahl 7?
Der Ansatz liegt in Lukas 17,4. Irgendwo ist Schluss. Reue muss schliesslich auch Besserung zeigen. Der Mensch muss sich verändern. Irgendwann einmal geht unser Geduld zu Ende. Zur Zeit Jesu hatten die Pharisäer eine Regel aufgestellt (Talmut) nach der man einem Menschen nur 3x vergeben musste - und nicht mehr. Diese Regel war auf Amos 1,3+6+9 gestützt. Die Menschen lebten in der Vorstellung, dass Gott nur 3x vergibt. Schlussfolgerung war, dass auch wir Menschen lediglich 3x vergeben müssen. Wenn Petrus nun nach 7x fragt, dann ist er "päpstlicher als der Papst". Gott vergibt 3x ... und der Petrus frägt nach 7x. Petrus erkennt: 3x vergeben, das schaff ich noch und erhöht sogar auf 7x.
Jesus erteilt hier dem Petrus eine Mathematikstunde Gottes. "Nicht 7x, sondern 70 x 7x". Mit diesem Wortspiel zeigt Jesus auf, dass wir immer vergeben sollen. Es ist keine Frage der Anzahl oder Menge. 70x7x Das kann keiner nachrechnen. Da bekommt man Schwierigkeiten mit der Buchführung. Da komme wir nicht mit. Man sieht hier förmlich den Petrus in sich zusammenbrechen. Aus diesem Grund spricht Jesus das Gleichnis. Es geht um das Rechnen im Blick auf Vergebung.
- Ausserdem hat Jesus die Thematik der Vergebung in einen grösseren Zusammenhang gestellt in Vers 23:
"Das Himmelreich ist wie ..."
In dieser Weise hat Jesus mit seinem Gleichnis begonnen. Es soll nicht mehr nur um zwischenmenschliche Beziehungen, sondern um die Beziehung von uns Menschen zu Gott gehen - insbesondere wenn es um Vergebung geht. In dieser Beziehung zeichnet Jesus uns Menschen als Schuldner gegenüber dem lebendigen Gott.
- Denar
Von etwa 211 v. Chr. bis in das 3. Jahrhundert n. Chr. war der Denarius die Hauptsilbermünze Roms mit anfänglich mittlerer Kaufkraft. Die Kaufkraft eines Denars, gemessen an heutigen Waren und Dienstleistungen, lag bei Kaiser Augustus, um 13 v. Chr., noch bei etwa 15 bis 25 Euro und verfiel bis zum Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. auf wenige Euro, um im 3. Jahrhundert n. Chr. mit dem weiter bis fast auf Null schwindenden Silbergehalt ganz zu verfallen.
- Talent
Mit Geld können wir gut umgehen. Dinge, die mit Geld zu tun haben verstehen wir. Das ist nicht nur heute so, sondern galt auch schon vor 2000 Jahren. Um die schwierige Thematik zwischenmenschlicher Beziehungen zu erläutern, spricht Jesus bildlich von den uns bekannten Abläufen im Umgang mit Geld.
Da macht einer Geldschulden. Der Geldgeber erlässt die Geldschuld. Sicher, das ist ungewöhnlich, ja kaum vorstellbar. Aber Achtung: Jesus spricht nicht von einer normalen Situation spricht. Er hat nicht behauptet, dass in unserer irdischen Welt Geldschulden erlassen würden, schon gar nicht in so enormer Höhe. Jeder Mensch hat bei Gott Schulden gemacht. Es geht dabei nicht einfach nur um ein paar nicht eingehaltene Gebote. Es geht darum, dass wir Gott als Schöpfer nicht entsprechende Ehre entgegen bringen. Sein Wille wird missachtet. Seine Liebe ausgeschlagen. Schuld gegenüber Gott ist vielschichtig. Das Leben erhalten zu haben, aber es nicht entsprechend zu würdigen.....
Die Schuld war unermesslich hoch. Es war schlicht unbezahlbar. Wir erfahren nichts darüber, wie der Mann überhaupt so viel Schulden machen konnte. Um eine reale Geldschuld ging es Jesus auch gar nicht. Es geht um Schuld vor Gott (siehe Himmelreich). Die Schuld gegenüber Gott ist hoch. Sie ist so hoch, dass sie nicht abbezahlt - nicht abgeleistet werden kann. Die Überzeichnung, die Überhebung der Geldschuld ist es, worauf es ankommt. Diese Dimension vergessen wir gerne. Jeder Mensch muss sich einmal vor Gott für eine immense Summe verantworten. Gäben wir uns noch so viel Mühe, unsere Schuld würde sich dennoch zu einer unbezahlbaren Summe aufhäufen. Die kath. Kirche lehrt zwar, dass es Heilige gibt, die mehr "leisten", als sie schulden. Das ist Unsinn:
Römer 3,23
"Alle sind schuldig geworden und spiegeln nicht mehr die Herrlichkeit wider, die Gott dem Menschen ursprünglich verliehen hatte"
In seiner Geschichte erzählt Jesus, der Schuldner sei auf die Knie gefallen, und habe um Erbarmen gebeten. Dann geschieht das Unglaubliche: Dem Mann wird die Schuld erlassen. Er kann gehen und sein Leben leben. Genauso verhält sich Gott uns Menschen gegenüber. Wer ihn um Vergebung bittet erfährt Gnade. Und das hat Auswirkungen, muss Auswirkungen haben - zum Beispiel, in der Art, wie wir mit dem Verschulden anderer umgehen.
Wie geht es weiter?
Im Gleichnis von Jesus aber kommt jetzt die unerwartete Wende. Der Mann, dem seine riesige Schuld erlassen wurde, geht hin würgt und knechtet andere, die bei ihm in der Kreide stehen. Der Mann hatte nichts begriffen. Woran ist das sichtbar?
Vers 26
"Herr, hab noch etwas Geduld! Ich will ja alles bezahlen"
Das griechische Wort "makrothymason" welches der Schuldner gebraucht, bedeutet an allen Stellen wo es im NT vorkommt, soviel wie "zeitliche Ausdehnung, Aufschub". Der Schuldner hatte nicht begriffen, was ihm gesagt wurde. Er meinte wahrscheinlich, es sei ihm gegeben worden, warum er bat: Geduld und Aufschub. In seinem Hochmut und sichtlichem Unverständnis dachte er, er könne diese riesige Schuld zurückzahlen, wenn man ihm nur genügend Zeit liesse. Er hat nicht verstanden, wie gross seine Schuld war. Eine Schuld, die niemals abbezahlt hätte werden können. Doch er bittet dennoch um Aufschub, um mehr Zeit. Das müssen wir verstehen. Im Blick auf unser Verhältnis zum lebendigen Gott, bringt Zeit überhaupt nichts. Im Gegenteil. Man muss fast sagen, dass mit mehr Zeit die Sache nur schlimmer wird. Die Worte des Schuldners sind damit der Schlüssel zum Verständnis des Gleichnisses.
Gott wischt in seinem Erbarmen unsere Schuld weg - die ganze Schuld. Er verlängert nicht einen Schuldschein. Er zerreisst ihn. Gott erklärt ihn für ungültig.
Der arme Kerl konnte die herrliche Botschaft nicht fassen. Er konnte sie nicht begreifen und schon gar nicht verinnerlichen. Er konnte sie nicht erleben. Er konnte sich nicht an ihr erfreuen. Er dachte, er stünde noch unter dem Schuldspruch und hätte einfach mehr Zeit bekommen, um zu arbeiten, zu knausern und zu sparen um so seine Schulden abzubezahlen. Weil erdachte, er müsse sich abmühen und wollte darum auch noch Schulden bei anderen eintreiben. Weil er nicht merkte, dass die Schuld getilgt war, machten sich die versteckten Folterknechte der Schuld, des sich Abmühens, der Leitung und der Angst an die Arbeit.
Vielen Christen geht es genau so. Sie lesen von der guten Theologie der Gnade, hören von ihr, glauben daran. Aber sie leben nicht danach. Sie glauben im Kopf an die Gnade, aber nicht bis in die innersten Gefühlsregungen oder hinein in die zwischenmenschlichen Beziehungen. Es spielt sich alles im Kopf ab. Man kennt die Bekenntnisse und kann die Begriffsbestimmungen heruntersagen, aber man lebt nicht danach.
Die Gnade beruht nicht auf unseren Leistungen und kann nie zurückbezahlt werden. Wer das nicht voll erfassen, erkennen und spüren kann, wird in die tragische Tretmühle des Leistens, des Handelns und des Strebens getrieben. Diese Menschen versuchen dann ihre Schuld abzuzahlen und wieder gut zu machen. Sie lesen täglich ein Kapitel in der Bibel, verlängern ihre Gebetszeiten, gehen dann hinaus und legen Schuldbeladenen Zeugnis ab. Dabei haben sie Erlösung.
Wie tragisch ist doch dieses Gleichnis? Jesus will uns aufrütteln. Die ganze Sache hätte eigentlich ein Fest werden können. Vergebung erfahren ist etwas Grossartiges, etwas unbeschreiblich Befreiendes und Frohmachendes. Aber es kann alles anders kommen. Jesus uns zeigen, dass es überhaupt keine Frage ist wievielmal wir einem anderen vergeben sollen. Es kommt allein darauf an, ob wir begriffen und erfasst haben, dass uns vergeben worden ist und wie gross die Schuld war. Die Schuld des anderen Mannes verschwindet.
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