Eine Predigt mit Folgen

 

Es war die allererste Predigt an meiner ersten Arbeitsstelle. Das war wie eine Art Pastoren-Taufe. Vielleicht sassen 30 Leute im Raum. Das Bild von damals ist verschwommen. Ich kann mich nicht an viel erinnern. Aber mitten in meiner Predigt brach auf der linken Seite in der Mitte des Raumes jemand zusammen. Ich wusste gar nicht recht, wie ich mich verhalten sollte. Jemand kümmert sich um die Frau. Dann wird sie gestützt und aus dem Raum begleitet. Ich fahre fort mit meiner Rede. Ganz wohl war mir dabei nicht.  Nach dem Gottesdienst erfuhr ich, dass die Frau ins Spital hatte gebracht werden müssen. Was für ein Start! Das gibt’s doch gar nicht! Man beruhigt und meint, die Frau sei in guten Händen. Am anderen Tag mache ich mich auf für einen Spitalbesuch. Sie liegt zu meinem Erstaunen auf der Notfallstation. Rund ums Bett stehen Leute, die mir nicht bekannt sind. Ich stelle mich vor und erfahre, dass es sich um Angehörige handelt. Oh, oh! Die Angehörigen erklären, sie seien von den Ärzten gerufen worden, um Abschied nehmen zu können. Die alte Frau ist nicht mehr ansprechbar. Ich versuche irgendwie etwas daher zu stammeln. Einen Tag später werde ich telefonisch über den Tod der Frau benachrichtigt. Die Angehörigen fragen, ob ich die Abdankung übernehmen würde. Sie selber würden sich nicht zu unserer Kirche zählen, aber ihre Tante und Schwester habe sich ja sehr wohl bei uns gefühlt.

Ich habe keine Ahnung mehr worüber ich damals in diesem Gottesdienst gesprochen hatte. Mit etwas schwarzem Humor könnte man meinen, meine Rede sei einfach todlangweilig gewesen. Oder, ich sei ja nicht der erste dem sowas passiert. In der Bibel wird berichtet, dass während einer Ansprache von Paulus ein Zuhörer eingeschlafen und aus dem Fenster gefallen ist. Es bedurfte damals einer krassen Wiederbelebung. Aber egal, ich hätte mir damals bestimmt meinen Start anders gewünscht. Erkannt habe ich aber auch, dass man sich leben und sterben nicht aussuchen kann. Und ich finde, dass es schlechtere Orte gibt um abzutreten. Wir sollten darauf gefasst sein, denn es kann jede/n treffen und es kann  jederzeit und an jedem Ort sein, dass wir abberufen werden.