Sich auf eine Begegnung einzulassen ist immer ein Wagnis. Schliesslich weiss man nie, worauf man sich einlässt. Man weiss nie, was auf einem zukommt.
Es ist möglich, dass man enttäuscht oder verletzt wird. In einer Begegnung kann es passieren, dass man nicht ernst genommen, oder nicht verstanden wird. Wenn man sich auf Menschen einlässt, kann es geschehen, dass das Vertrauen, das man aufgebracht hat, missbraucht wird. In einer Begegnung läuft man Gefahr, Verpflichtungen "aufgeladen" zu bekommen.
Begegnung ist ein Wagnis. Ein Wagnis, das Mut, Kraft und Ausdauer, Flexibilität und Einfühlungsvermögen und auch Initiative erfordert.
Spiel in der Gruppe:
Die Teilnehmer sitzen oder stehen im Kreis. Der Spielleiter erzählt eine Geschichte. Er gestikuliert dabei lebhaft mit Armen und Beinen und spart nicht mit komischer Mimik. Alle anderen im Kreis ahmen alles getreulich nach - mit einer Ausnahme: Wenn der Spielleiter die Hände ballt (oder mit den Augen zwinkert oder auf den Botten stampft, je nach Absprache), müssen alle sofort zu "Stein" erstarren und bewegungslos bleiben. Wer nicht aufpasst, ist als nächster mit Erzählen dran. Das Spiel endet je nach Lust und Laune der Teilnehmenden.
Die Begegnung von Paulus mit den Thessalonichern war offensichtlich nicht schmerzfrei. Es gab Vorwürfe und Missverständnisse. Paulus deckt diese auf und erörtert auch was da schief gelaufen ist. Er erklärt sich in den Versen 1-7 im 2. Kapitel seines Briefes den Thessalonichern.
Falsche Weisen und falsche Motivation:
- V3 "aus unreiner Gesinnung" (betrügerische Absicht; jemandem etwas vor machen)
- V3 "aus Arglist" (unlauterem Sinn und List; jemanden hinters Licht führen)
- V4 "um Menschen zu gefallen"
- V5 "um zu schmeicheln" (nach dem Mund reden)
- V5 "aus Habsucht" (eigenen Vorteil suchen)
- V6 "aus Ehrgeiz" (eigene Ehre suchen, persönliches Ansehen)
Spannend ist es zu erfahren, dass Paulus und sein Team bereits vor Thessaloniki auch schon in Philippi eine heikle Begegnung erlebten (V2). Während des Aufenthalts in Philippi (Apostelgeschichte 16) hatten sie erhebliche Schwierigkeiten, die von heftigem Widerstand bis hin zu körperlicher Misshandlung reichten. Nachdem Paulus den "Wahrsagegeist" einer Sklavin ausgetrieben hatte, verloren deren Besitzer ihre Einnahmequelle. In der Folge zettelten sie einen Aufstand an und beschuldigten Paulus und Silas, die Stadt zu beunruhigen und als Juden Bräuche zu verbreiten, die Römern nicht erlaubt seien. Ohne Gerichtsverfahren wurden Paulus und Silas von den Stadtrichtern ausgepeitscht (geschlagen mit Ruten) und ins Gefängnis geworfen. Diese öffentliche Auspeitschung ohne Verfahren war eine Verletzung römischer Bürgerrechte und damit illegal.
Paulus erklärt sich in den Versen 1-7 im 2. Kapitel seines Briefes den Thessalonichern. In Vers 8 kommt er auf seine Motivation zu sprechen. Wenn Begegnung so schwierig sein kann, warum sich dann überhaupt auf Begegnungen einlassen?
1.Thessalonicher 2,8
"Aus Liebe zu euch waren wir nicht nur dazu bereit, euch Gottes rettende Botschaft zu verkünden, sondern auch unser ganzes Leben mit euch zu teilen. So sehr hatten wir euch lieb gewonnen."
lieben
Ausgangspunkt ist für das Handeln von Paulus ist eine liebevolle Grundhaltung. Die Liebe ist in V8 quasi vorausgesetzt, weniger als Selbstverständlichkeit, denn als Notwendigkeit. Allerdings ist zu vermerken, dass unsere Liebe so schnell ein Ende findet, oder erst gar nicht vorhanden sein kann. Liebe ist nicht nur einfach da. Als erotisches Gefühl ja. Aber Liebe die trägt muss heranwachsen. Paulus trägt dem Rechnung, wenn er schreibt, die Thessalonicher seien für sie geliebte Menschen geworden. Und er verwendet das griechische Wort agape, welches für Gottes Liebe verwendet wird. Gottes Liebe ist die Triebfeder. Gott hat zuerst geliebt. Weil ich geliebt werde, kann ich auch anderen Menschen in Liebe begegnen. Gott erfüllt so sehr mit seiner Liebe, dass man nicht anders kann, als sie weiter zu geben. Wer es nicht tut, wer diese Liebe für sich behält, wird dabei unglücklich werden.
Bereits in den Versen 3 und 7 lässt uns Paulus etwas über die Art und Weise dieser Liebe erfahren:
Die Liebe einer Amme (siehe griechischer Text), die ernährt und auch wärmt und liebkost. Dann aber auch die Liebe eines Erziehers, der mitunter auch ermahnt. Liebe ist nicht nur Streicheleinheit. Manchmal muss Liebe auch konsequent, oder gar hart sein. Diese Härte zielt auf Lebensfähigkeit ab.
entschlossen sein
Es geht hier um den Aspekt der Bereitschaft. Es meint nicht einfach nur etwas für gut halten. Die Begegnung ist ein Wagnis und kostet immer etwas. Darum ist eine gewisses Mass an Bereitschaft und Entschlossenheit unumgänglich. Leider ist in christlichen Kreisen oft eine Selbstzufriedenheit und Selbstgefälligkeit anzutreffen. Christen sollten eine Leidenschaft zur Begegnung mit anderen Menschen an den Tag legen. Schliesslich geht es ja darum, dass andere mit der Liebe Gottes, die man selber erfahren hat, konfrontiert werden. Ja, es gibt bestimmt eine Gefahr, dass das zu einer Pflichtübung verkommt. Darum muss diese Entschlossenheit auf der Liebe Gottes begründet sein.
das Leben teilen
Zunächst spricht Paulus vom: "das Evangelium mitteilen". Diesen Begriff verwenden wir für das Reden. Mir begegnet nicht wenig, dass Christen zwar im Reden über das Evangelium freigiebig sind, aber sonst sich selbst und ihr Leben sparen. Es wird viel geredet. Es werden Bücher geschrieben und verteilt, Traktate unter Scheibenwischer der Autos geklemmt. Aber das sind leere Worte, wenn wir uns selber nicht mitteilen, unser Leben teilen.
Jesus Christus ist uns Menschen in Tat und Wahrheit begegnet. Er hat sich aus der Herrlichkeit Gottes heruntergelassen in unser Durcheinander. Er ist geworden wie Du und ich. Er hat gelitten, ist am Leben verzweifelt. Er hat uns Anteil gegeben an seinem Leben. In ähnlicher Weise hat sich auch Paulus verhalten.
Mit der Verkündigung der objektiven, "reinen" Lehre ist es nicht getan. Es gehört der persönliche Einsatz dazu, der unser ganzes Herz und Wesen und Leben beteiligt, und nicht für sich selber spart und zurückhält.
Begegnung passiert so oder so. Es fragt sich nur wie. Es gibt auch negative Begegnungen. Darum ist Begegnung ein Wagnis: V2 "Trotzdem fassten wir im Vertrauen auf unseren Gott den Mut ..."
Entscheidend ist unsere Attitude, unsere Haltung, unsere Einstellung. Entscheidend ist, ob wir begriffen haben, wie tief und weitreichend die Liebe Gottes ist. Wir müssen Gottes Gnade und Barmherzigkeit verinnerlichen. Das muss unser ganzes Leben durchdringen - bis in die Zehen hinunter. Wenn nicht, besteht die Gefahr, dass es schief geht.
- Man trägt eine Maske. Versucht etwas zu sein, was man nicht ist. Man leistet und verfällt der Gesetzlichkeit.
- Man versucht etwas zu sein, was man nicht ist. Man wird gleichgültig und verfällt dem Larifari. Nichts mehr spielt ein Rolle. Man kann tun und lassen, was man will. Jeder kümmert sich nur noch um sich selber.
Gruppenarbeit oder zur Reflektion zu hause
- Was erwarte ich von der Gemeinschaft?
- Wie sollten sich Christen verhalten?
- Was darf man sich als Christ in einer Gemeinschaft überhaupt nicht leisten?
- Was sollte in unserer Gemeinde bezüglich Gemeinschaft anders sein?
- Was könnte man zu einer Besserung beitragen?
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