An einem Sonntag im Gottesdienst. Sandro mein Sohn moderiert. Er erzählt von unserer Situation zu Hause. Da meine Anstellung als Pastor nicht mehr weitergeht und eine neue Stelle nicht in Aussicht ist, muss ich mein Büro nach Hause zügeln. Dort muss Platz geschaffen werden und so kommt es erneut zu Umbauarbeiten am Haus. Die Bücher kommen ins Treppenhaus. Damit der Weg nicht zu eng wird, entschliessen wir uns eine Wand teilweise herauszubrechen und ein Büchergestell einzubauen. Sandro zeigt Bilder von den Arbeiten und nach einigen Stotterern erzählt er, wie das Vorhaben nicht wirklich geklappt hat. Die Wand sei eingestürzt und damit auch ein Teil des Hauses. Sandro berichtet von unserem Schrecken und bittet die Gottesdienstbesucher uns beim Aufräumen helfen zu kommen. Und tatsächlich meldet sich der eine und andere Freund. Nur, es war ein Gag, ein Jux, eben ein 1.Aprilscherz. Ein Büchergestell eingebaut haben wir, aber nichts ist bisher eingestürzt. Und wie man sieht, geht es uns trotz Herausforderungen noch recht gut. Wir können noch lachen und haben Boden unter den Füssen.
Jesus ist der Grund auf dem wir stehen und ihm vertrauen wir. Wobei das mit dem Vertrauen leichter gesagt ist als getan. In Situationen wo das Leben so einen Abbruch erfährt, wie wir das im Moment erleben, da muss sich alles erst beweisen. Wie beim Umbau erkennt man Gefahren, und beim Arbeiten entsteht viel Staub. Du versuchst alles abzugrenzen, aber es geht nicht. Plötzlich ist dein ganzes Leben betroffen und fast alles wird durch die Umstände und Ereignisse in Frage gestellt. Nach 35 Jahren Arbeitsleben schreibe ich meine ersten Bewerbungen und muss erst lernen, was es heute braucht um eine Anstellung zu bekommen. Alle meine erworbenen Ausbildungen sind in Frage gestellt, denn heute zählen vor allem Titel. Die schwierigste Herausforderung aber ist die Klärung unserer Berufung. Verena und ich haben einen klaren Auftrag gesehen im Gemeindedienst. Wir mussten feststellen, dass von unserer Seite her dieser Weg nun ausgereizt ist. Wir sind auf Grund unserer Erfahrungen nicht mehr innerlich frei, um uns ohne Vorgaben einfach einzubringen und zu verschenken. Um in einer anderen Gemeinde neu ansetzen zu können, bedarf es für uns ein erneutes deutlichen Reden Gottes. Wir haben uns denn auch auseinandergesetzt mit einem Dienst im Ausland in einer Mission. Auch das hat sich letztlich zerschlagen. Wir sahen unsere Grenzen und erkannten, dass bei einer Entscheidung in diese Richtung bei mir eine Art Trotz mitschwingen würde, im Sinne von "jetzt erst recht". Das ist aber keine gute Voraussetzung.
So nehmen wir weiterhin einen Schritt um den anderen. Es gibt noch viele offene Fragen und unsere Vertrauensfähigkeit wird recht strapaziert. Aber gerade darin erleben wir auch viel Mutmachendes. Ein Telefonanruf eines Freundes, ein Geschenk welches zu Hause auf dem Tisch steht, ein Gedicht nur für mich ..... Ich lobe und preise Jesus - und ich möchte weiter lernen, ihm zu vertrauen.
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