Abzocker Initiative

Vaselle und Co oder Minder und Co? Man stelle sich vor: Ein Mitarbeiter mit dem branchenüblichen Tiefstlohn müsste 260 Jahre lang arbeiten um den Lohn eines CEO  von Novartis zu erwirtschaften. Auch Verwaltungsräten werden enorme Summen ausbezahlt. Vasella z.B. erhielt pro Sitzung 900’000 Franken. Das ist nicht normal. Es brodelt in der Volksseele. Aber was ist die Alternative? Die Abzocker-Initiative will Bereicherung stoppen. Bei im In- oder Ausland börsenkotierten Schweizer Firmen soll in Zukunft der Eigentümer an der Generalversammlung über die Gesamtsumme aller Entschädigungen des Verwaltungsrates, der Geschäftsleitung und des Beirates abstimmen können. Damit bestimmen nicht mehr Kollegen und Freunde den individuellen Lohn. Tönt gut, aber wer sind die Eigentümer? Es sind die Aktionäre der Firmen. Minder meint, bei mehr Einflussmöglichkeiten der Aktionäre würde die Abzockerei aufhören. Ändert das auch etwas? Bestimmt nicht. Das Geld fliesst einfach von einer Tasche in die andere. Über Aktionäre schreibt Hans-Ueli Vogt, Rechtsprofessor an der Universität Zürich, im Buch «Aktionärsdemokratie»: Der Aktionär «darf verantwortungslos und darum eigennützig und opportunistisch sein. Der Aktionär kennt nur ein Risiko: den Wertverlust seiner Beteiligung.“ Man darf nicht vergessen, dass der Besitz von Aktion sehr einseitig verteilt ist: Das Vermögen der 100 reichsten Personen der Welt liegt insgesamt bei 240 Milliarden Dollar. Einzelne dieser Multimilliardäre  vergrösserten ihr Vermögen innerhalb eines Jahres um sage und schreibe 10 Milliarden Dollar. Zum grössten Teil profitieren sie von Gewinnen von Aktien. Das ist jenseits von Gut und Böse. Aktionäre sind nicht einfach die besseren Menschen, welche alles zum Positiven bringen. Sie sind wie du und ich. Sie sind auch wie Vasella und Co. Alles Hans was Heiri. Wir können nie genug kriegen und vergessen dabei, was schon vor 3000 Jahren besungen wurde: „Auch der Klügste muss sterben, genauso wie der unverbesserliche Narr. Was sie besitzen, bleibt zurück für andere. Lass dich also nicht beeindrucken, wenn einer reich wird und sein Wohlstand immer grösser. Wenn er stirbt, nimmt er nichts davon mit“ (Psalm 49). Im Übrigen sind Grossverdiener wie Vasella selber auch Aktionäre.  Wer soll da noch draus kommen? Die SVP outet sich mit der Parole: „Wer Abzockerei bekämpfen will, sagt Nein zur Abzockerinitiative“. Die Initiative ablehnen bedeutet alles beim Alten zu lassen und das hilft gar nichts, was denen in den Kram passen würde. Aber im Volk ist die Empörung über die Unbelehrbarkeit von Vasella und Co gross. Jedenfalls grösser als die Angst vor Drohungen der Superreichen, sie würden das Land verlassen und Jobs gingen verloren. Schön dass wir in der Schweiz mitreden und abstimmen können. Nachher lehnen wir uns wieder beruhigt zurück. Es geht uns in der Schweiz ja  richtig gut.

Ich will nicht jammern, schon gar nicht über leere Hosentaschen. Aber man muss sich fragen, wie es überhaupt möglich ist, dass manche Menschen so unanständig viel verdienen. Warum können Firmen so enorme Gewinne machen? Da ist etwas faul. Letztendlich muss das viele Geld von irgendwo her kommen. Irgendjemand bezahlt die Rechnung.