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Serie Gleichnisse Jesu
Der barmherzige Samariter ist eines der tiefgründigsten Spätwerke von Vincent van Gogh, das er im Mai 1890 – nur wenige Monate vor seinem Tod – in der Nervenheilanstalt von Saint-Rémy-de-Provence schuf.
"Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho. Unterwegs wurde er von Räubern überfallen. Sie schlugen ihn zusammen, raubten ihn aus und ließen ihn halb tot liegen. Dann machten sie sich davon. Zufällig kam bald darauf ein Priester vorbei. Er sah den Mann liegen und ging schnell auf der anderen Straßenseite weiter. Genauso verhielt sich ein Tempeldiener. Er sah zwar den verletzten Mann, aber er blieb nicht stehen, sondern machte einen großen Bogen um ihn. Dann kam einer der verachteten Samariter vorbei. Als er den Verletzten sah, hatte er Mitleid mit ihm. Er ging zu ihm hin, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier und brachte ihn in den nächsten Gasthof, wo er den Kranken besser pflegen und versorgen konnte. Am folgenden Tag, als er weiterreisen musste, gab er dem Wirt zwei Silberstücke aus seinem Beutel und bat ihn: ›Pflege den Mann gesund! Sollte das Geld nicht reichen, werde ich dir den Rest auf meiner Rückreise bezahlen!"
Vordergründig fällt einem zunächst gar nicht viel auf, aber sobald man sich etwas näher mit der Sache beschäftigt, bekommt man die Feinheiten zu spüren.
Da liegt einer hilflos auf der Strasse. Man hat ihn verprügelt und ausgeraubt. Er blutet. Der Mann ist am Ende. Eine für damalige Verhältnisse bekannte Situation. Es war nichts Ungewöhnliches, dass Reisende von Räubern überfallen und ausgeraubt wurden. Um Raubüberfälle zu vermeiden, reisten viele Menschen in Gruppen. Es gab zwar in der Antike entlang der Straßen so etwas wie Polizeistationen die einen bestimmten Abschnitt schützen konnten. In Gebieten, die weit entfernt von den Machtzentren lagen, hatten Herrscher aber kaum Kontrolle. So war das Reisen ausserhalb von bewachten Städten mit extrem hohen Risiken verbunden. Da es kein digitales Geldsystem oder Schecks gab, mussten Händler und Reisende große Mengen an Münzen, teuren Stoffen, Gewürzen oder Metallen physisch mit sich führen. Nicht nur Besitz war wertvoll – Überfallene selbst wurden oft verschleppt und als Sklaven verkauft oder nur gegen ein hohes Lösegeld freigelassen.
Ist doch eigentlich selbstverständlich - logisch, dass man so einem Menschen der überfallen worden ist hilft. Wir hätten doch das alle getan - oder doch nicht?
Ausschlaggebend in der Schilderung von Jesus ist die Aussage über den Mann, der geholfen hat: "Es ergriff ihn das Mitleid". Alle haben die Not gesehen (V 31 und 32), aber lediglich eine Person hat sich betroffen gesehen (V 33). Die Betroffenheit macht den Unterschied.
"Er hatte Mitleid" ist die häufigste Übersetzung des hier verwendeten griechischen Wortes. Dann aber gibt es auch: "... er empfand Erbarmen".... "er war innerlich bewegt" (Elberfelder), (Gute Nachricht und Hoffnung für alle), "es jammerte ihn" (Luther). Die Formulierung „es erbarmte ihn“ (oder auch „da jammerte ihn derselbe“) ist eine klassische biblische Wendung, die besonders in der Luther-Übersetzung häufig vorkommt. Sie beschreibt ein tiefes, oft von Herzen kommendes Mitgefühl Gottes oder Jesu mit den Menschen. Das griechische Wort im Urtext des Neuen Testaments (splanchnizomai) bezieht sich auf die Eingeweide (das Innere, den Bauchraum). Im übertragenen Sinn, geht es um den Sitz der Gefühle. Es bedeutet, dass jemandem ein Leid so nahe geht, dass es ihm buchstäblich „durch den Magen“ oder „durch den Bauch“ geht – ein tiefes, körperlich spürbares Mitleid. Es bedeutet eine emotionale Anteilnahme am Schmerz oder am Leid eines anderen Menschen.
In der Bibel kommt das oft vor - vor allem auch im Blick auf Jesus. Er sieht die Menschen und fühlt tiefes Mitgefühl, weil sie orientierungslos oder hungrig sind.
Matthäus 9,36 und Markus 6,34 „Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen, denn sie waren erschöpft und hilflos wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Matthäus 14,14 "Jesus sah die große Volksmenge, und er wurde innerlich bewegt über sie und heilte ihre Kranken"
Nach unserem Sprachgebrauch ist es das Herz, das meistens als Quelle von Liebe, Mitleid und Barmherzigkeit steht. (Walter Bauer, Wörterbuch zum NT, Seite 1224). Übersetzen könnte man also mit : "Die Not ging ihm zu Herzen" oder auch: "Es drehte sich ihm der Magen um, angesichts der Not".
Was Jesus gesagt hatte war äusserst provozierend. Aus heutiger Sicht kann das ohne zusätzliche Informationen nicht mehr so herausgespürt werden.
Jesus erwähnt einen Samariter, der sich um einen Menschen in Not gekümmert hat. Was war das für ein Mensch?
Samariter
Heute ist "Samariter" ein positiver Begriff. Man versteht im alltäglichen Sprachgebrauch darunter einen selbstlosen Helfer, der Menschen in Not oder körperlicher Bedrängnis freiwillig und ohne Gegenleistung Beistand leistet. Der Begriff hat sich über Jahrhunderte zu einer universellen Bezeichnung für gelebte Nächstenliebe und Erste Hilfe entwickelt. Zur Zeit Jesu war das aber ganz anders. Es war zunächst eine Bezeichnung für eine religiös-ethnische Gruppe in Palästina. Allerdings einer von den Juden verachteten Volksgruppe.
Im Jahr 740 v.Chr. eroberten die Assyrer das Nordreich Israel. Die Assyrer nutzten massenhafte Zwangsumsiedlungen als zentrales Herrschaftsmittel, um ihr Großreich zu kontrollieren. Im Gegenzug siedelten sie eigene Volksgruppen im eroberten Land an. Man wollte mit einer Vermischung verschiedener Völker in neuen Regionen den Widerstand brechen und neue Identitäten schaffen. Es sollten alte Bindungen, Kulturen und Nationalgefühle verschwinden. Um die eigene Wirtschaft zu stärken wurde Facharbeiter, Handwerker und Gelehrte gezielt in das Kernland Assyriens gebracht, um dort den Aufbau zu fördern.
Die Babylonier, welche das Assyrische Reich erobert hatten, übernahmen diese Strategie. Nach einer längeren Belagerung von Jerusalem durch Nebukadnezar 586 v.Chr. fiel auch das Südreich. Jerusalem wurde systematisch zerstört. Der Salomonische Tempel sowie die Paläste wurden niedergebrannt und die Stadtmauern geschleift. Ein Grossteil der verbliebenen Bevölkerung wurde in die babylonische Gefangenschaft weggeführt und es wurden auch in Juda fremde Volksgruppen angesiedelt. Mit der Zeit vermischten sich verbliebene Israeliten mit angesiedelten Völkern aus Mesopotamien. Daraus entstanden die Samariter. Der Name bezeichnete ursprünglich die Bewohner der Region Samarien und rund um die Stadt Samaria.
Das babylonische Exil, mit den Ischtar-Tor (eines der Stadttore von Babylon) und der Zikkurat von Babylon unten rechts und Jerusalem in Flammen oben links. Dieses Flachrelief ist in der David-Zitadelle ausgestellt.
Im 6. Jh.v.Chr. erobert der persische König Kyros II. (der Große) Babylon. Im Gegensatz zu den Babyloniern setzten die Perser auf religiöse Toleranz und Autonomie für unterworfene Völker. Den deportierten Juden wurde die Rückkehr nach Juda und der Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem erlaubt. In der Folge aber kam es zu einer Entfremdung zwischen den Menschen in Samarien und den zurückkehrenden Judäern in Jerusalem. Zur Zeit des Neuen Testaments gab es starke religiöse und soziale Spannungen zwischen ihnen. Die Juden betrachteten die Samaritaner nicht als „reine“ Nachkommen Abrahams, sondern als ethnisch und religiös vermischt, als unrein. Dauerthema war der richtige Ort für die Anbetung Gottes und das Darbringen von Opfern, denn die Samariter hatten ihren Tempel in Samaria, welcher im 4. Jh. v. Chr. gebaut wurde und sie verehrten den Berg Garizim als ihren heiligen Ort. Im Gegensatz zum Judentum erkennen die Samariter als heilige Schrift nur den Samaritanischen Pentateuch (die fünf Bücher Mose) an, nicht aber die jüdischen Prophetenbücher.
Die Juden verachteten dieses jüdische Mischvolk. Man wollte nichts mit ihnen zu tun haben.
Johannes 4,9 "Die Frau war überrascht, denn normalerweise wollten die Juden nichts mit den Samaritern zu tun haben. Sie sagte: »Du bist doch ein Jude! Wieso bittest du mich um Wasser? Schließlich bin ich eine samaritische Frau!"
"Samariter" war zur Zeit Jesu ein Reizwort. Wenn man jemanden beschimpfen wollte, dann verwendete man dieses Wort.
Johannes 8,48 "Also hatten wir doch recht«, schimpften die Juden. »Du bist ein Samariter, von bösen Geistern besessen!"
Dass Jesus nun ausgerechnet den jüdischen Schriftgelehrten einen Samariter als Vorbild vorsetzte, muss äusserst provozierend gewesen sein. Letztendlich gewichtete Jesus damit das helfende Handeln an Menschen in Not höher als kultische Reinheit, welche von den Schriftgelehrten repräsentiert wurde. Hätte Jesus in der heutigen Zeit einen Migranten oder einen Drögeler als Vorbild hingestellt, wäre das markant weniger provokant.
Schriftgelehrte
Man muss sich vor Augen halten, dass Jesus beim Erzählen seines Gleichnisses mit Schriftgelehrten gesprochen hatte (siehe Verse 25 und 37) und nicht in erster Linie mit seinen Nachfolgern. Die Pharisäer versuchten immer wieder die Autorität von Jesus zu untergraben, ihn zu diskreditieren. Sie wollten Jesus zu Aussagen verleiten, die entweder gegen das mosaische Gesetz oder gegen die römische Besatzungsmacht verstiessen, um ihn dann anklagen zu können. So stellten sie ihm Fangfragen, z.B.: zu Steuern und Ehescheidung, oder die berühmte Frage nach der Kopfsteuer für den Kaiser. Doch Jesus umging diese Fallen meisterhaft durch kluge Antworten.
Im Zusammenhang unseres Gleichnisses wollten die Schriftgelehrten Jesus in ein kompliziertes theologisches Dilemma verstricken und ihn so aufs Glatteis führen: »was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?« Im jüdischen Kontext des ersten Jahrhunderts war die Frage nach dem ewigen Leben eine der zentralen theologischen Debatten. Die Pharisäer wollten sehen, ob Jesus sich an das traditionelle jüdische Gesetz (die Tora) hält. Hätte Jesus geantwortet, dass das Gesetz nicht ausreicht, hätten sie ihn der Gotteslästerung oder Aufwiegelung bezichtigt. Hätte er nur das Gesetz wiederholt, hätten sie ihn als gewöhnlichen Lehrer darstellen können, der nichts Neues zu bieten hat. Aber Jesus durchschaut die Absicht. Er drehte die Fangfrage einfach um und fragte den Gesetzeslehrer: „Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?“. Damit zwang er den Fragesteller, die Antwort selbst zu geben (Gott und den Nächsten zu lieben). So entging Jesus der Falle.
Allerdings geht Jesus noch einen Schritt weiter. In seiner Geschichte spricht Jesus von Leuten, von denen man annehmen hätte können, dass sie sich vorbildlich verhalten würden. Er stellt einen Priester und einen Leviten als Negativ-Beispiel hin (Vers 31 und 32). Beide gehen am sich in Not befindenden, am Boden liegenden, leidenden Menschen vorbei. Ohne Kommentar und ohne plausiblen Grund, oder einer Ausrede. Priester und Leviten konnten damals durchaus auch Schriftgelehrte sein. Tatsächlich rekrutierten sich die frühen Schriftgelehrten im nachexilischen Judentum hauptsächlich aus der Priesterkaste und dem Stamm Levi, da diese Gruppen ohnehin für die Bewahrung, das Studium und die Lehre des Gesetzes (der Tora) zuständig waren.
Schriftgelehrte waren angesehene Leute. Sie hatten sich ganz dem Glauben an Gott verschrieben. Sie hatten einen einwandfreien Leumund. Sie zählten zu den am besten Ausgebildeten des ganzen Volkes. Aber gerade sie gingen an der Not dieses Reisenden vorbei.
Jesus stellt also diejenigen, welche ihm durch eine hinterhältige Frage eine Falle stellten in ein negatives Licht und dagegen einen von den gleichen Leuten verachteten Menschen als positives Beispiel. Das muss richtig weh getan und zum Denken angeregt haben.
Abschliessende Überlegung:
Manche Ausleger sagen, dass der barmherzigen Samariter symbolisch für Jesus Christus stehe:
Sieht Jesus sich selber als der barmherzige Samariter?
"Der Erretter ist unser barmherziger Samariter, der gesandt wurde, „die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind“ (Lukas 4:18 ; siehe auch Jesaja 61:1). Er wendet sich uns zu, wenn andere einfach weitergehen. Voller Mitgefühl versorgt er unsere Wunden mit seinem heilenden Balsam und verbindet sie. Er trägt uns. Er kümmert sich um uns." (Neil L. Andersen, „Verwundet“, Liahona, November 2018, Seite 85). "Er bringt uns in die Herberge – auch ein Symbol für seine Kirche. In der Herberge sagt der barmherzige Samariter: „Sorge für ihn. Ich werde es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.“ (Lukas 10:35). Der barmherzige Samariter, ein Symbol für den Erretter, der verspricht, wiederzukommen, dieses Mal in Majestät und Herrlichkeit." (Gerrit W. Gong, „Platz in der Herberge“, Liahona, Mai 2021, Seite 24f.)
Dass Jesus in seinem Gleichnis sich selber als den barmherzigen Samariter seinen Jüngern zeigen wollte, ist zwar ein schöner Gedanke, kann aber einer vertieften Betrachtung nicht standhalten. Im Kontext, stellt Jesus seine Geschichte in Vers 27 und 28 in einen engen thematischen Zusammenhang mit dem Gebot, "Gott und den Nächsten zu lieben" aus 3. Mose 19,18. Da dieses Gebot uns gilt, sind wir es die angesprochen sind. Ausserdem interpretiert Jesus sein Gleichnis gleich selber, in dem er uns Menschen in Vers 37 zum Handeln auffordert.
Dennoch ist es nicht falsch, Jesus als Vorbild nachzueifern. Er handelt an uns barmherzig und gnädig und wir können unser Leben nach ihm ausrichten.
Philipper 2,5-8
"Nehmt euch Jesus Christus zum Vorbild: Obwohl er in jeder Hinsicht Gott gleich war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, wie Gott zu sein. Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und war in allem ein Mensch wie wir. Er erniedrigte sich selbst noch tiefer und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz."
Johannes 13,15
"Ich habe euch damit ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt. Handelt ebenso!"
Der Nächste
Jesus führt in Vers 27 das Gespräch mit den Schriftgelehrten auf die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten. Ursprünglich stammen die Sätze aus dem Alten Testament. (3. Mose 19,18 und 5. Mose 6,5). Den Schriftgelehrten war das klar. Sie mussten nicht lange überlegen. Interessant ist, dass bereits im AT formuliert wird: "Du sollst den Nächsten lieben wie sich selbst".
In 3.Mose 19,33 und 34 wird diese Formulierung auch verwendet im Blick auf Migranten: "Jeder von euch soll seinen fremden Mitbürger lieben wie sich selbst."
Wir sind uns selbst am Nächsten. Aber wir sollen andere Menschen genauso achten und respektieren wie uns selbst. Mehr ist nicht erwartet. Keiner ist wichtiger als der andere.
Wer ist mein Nächster?
Die Schriftgelehrten fragen: "Wer ist mein Nächster?" (V 29). Auch nach dem Gleichnis ist man geneigt die Frage in gleicher Weise zu stellen. Als Antwort würde man wohl eine Person nennen, die in der Nähe wohnt, oder mit einem verwandt oder befreundet ist. Doch Jesus formuliert anders:
Vers 36 "Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war?" (Lutherübersetzung)
Die Frage muss demnach folgendermassen gestellt werden:
Wer wird der Person ein Nächster, die in Not ist?
Oder: "Wem sein Nächster werde ich?"
Es geht nicht um Nähe oder Distanz, nicht um Verwandtschaft nicht um die, die wir gerne haben. Es geht nicht um mein Befinden, meinen Status, mein Geschlecht, meinen Reichtum und meine Macht. Das alles fällt weg. Ich selbst werde zweitrangig. Man ist nicht Nächster. Man wird es. Man wird Nächster dadurch dass man sich auf die Not einlässt und handelt. Die Not und die erbrachte Hilfe machen jemanden zum Nächsten.
Wenn es der ist, dem ich helfe in Not, der mein Nächster wird, dann wird mein Nächster auch nicht immer dieselbe Person sein. Rienecker Lexikon: "Die Menschen stehen einander nicht gleich nahe, da jedem jederzeit ein anderer gegeben ist, der ihm nahe steht."
Es geht Jesus offensichtlich um die konkrete Tat jedem Menschen gegenüber, insbesondere denen gegenüber, welche sich in Not befinden. Der Glaube an Gott, die Liebe zu ihm muss sich in liebevoller Tat am Mitmenschen zeigen.
Vers 28 "Du hast richtig geantwortet«, sagte Jesus. »Handle so, dann wirst du leben."
Vers 37 "Der Gesetzeslehrer erwiderte: »Natürlich der Mann, der ihm geholfen hat.« »Dann geh und folge seinem Beispiel!«, forderte Jesus ihn auf."
Warum ist die Tat entscheidend?
Glaube ohne Tat ist nichts wert (Jakobus 2,17). Ohne Tat ist der Glaube eine selbstgerechte, rein auf äussere Gesetze fixierte Frömmigkeit, bei der man sich anderen überlegen scheint. Es reicht nicht, nur so zu tun, als sei man moralisch und religiös fehlerfrei. Es ist nichts wert, Frömmigkeit vorzutäuschen und Tugenden, die man gar nicht besitzt.
Die Liebe Gottes zu uns Menschen ist ausschlaggebend. Wie kann man da zwar Gott lieben, nicht aber die Menschen.
Wer Gott liebt, der liebt auch seinen Mitmenschen.
1.Johannes 4,20 "Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand behauptet: »Ich liebe Gott«, und dabei seinen Bruder oder seine Schwester[4] hasst, dann lügt er. Wenn er seine Glaubensgeschwister, die er sieht, nicht liebt, dann kann er Gott, den er nicht sieht, erst recht nicht lieben."
Wer nur von der Liebe schwärmt, gerät in Verdacht, dass er sie nur für sich selbst sucht, aber nicht zu geben bereit ist. Liebe drängt zur Tat. Liebe will sich äussern. Liebe muss sichtbar werden. Liebe ist eine praktische Angelegenheit. Liebe fliesst zum anderen hin.
Betroffenheit:
Man wollte wohl mit dem Elend des anderen nichts zu tun haben. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Vielleicht ist man bereit, hier und da ein paar Franken zu spenden. Aber der Not in die Augen zu schauen und sich der Not entgegenzustellen, das ist etwas ganz anderes.
Der Eine oder Andere mag einwerfen, dass es hier in unseren Breitengraden ja nicht viel Not gibt, und es könne auch nicht jeder nach Afrika gehen um zu helfen. Das ist nichts als eine Ausrede. Mit der Not, die uns begegnet, können wir noch viel weniger umgehen, als mit der Not, die weit weg ist. Not die uns begegnet, darf es nicht geben. Man schiebt sie von sich weg. Alte Leute kommen in ein Altersheim. Überhaupt stopft man alles in Heime: Asylantenheime, Behindertenheime, sozialtherapeutische Einrichtung für Menschen mit Alkoholabhängigkeit, stationäre Einrichtung für Jugendliche ..... Damit hat man die Pflicht getan und muss sich nicht mehr weiter damit auseinandersetzen. Auch die Drogensüchtigen möchte man am liebsten einfach irgendwo wegsperren, damit man sie sich nicht mehr ansehen muss.
Sicher, man hat ja so seine Negativerfahrungen gemacht. Ist vielleicht schon ausgenutzt worden. Hört in den Nachrichten dauernd von Asylanten, die Drogen dealen.
Den Menschen in der Geschichte von Jesus wird es wohl ganz ähnlich gegangen sein. Man hatte es schon genug gesehen. Wollte nicht in die Sache hineingezogen werden.
Aber da war einer, der sich davon nicht abhalten hat lassen. Er hilft. Er nimmt sich Zeit. Er gibt Geld aus und wusste dabei nicht, ob er es je zurückbekommen würde.
1.Johannes 3,17
"Wie kann Gottes Liebe in einem Menschen sein, wenn dieser die Not seines Bruders vor Augen hat, sie ihm aber gleichgültig ist? Und das, obwohl er selbst alles hat, was er zum Leben braucht!"
Diskrepanz
Bringt man die Frage der Pharisäer und die Aussagen von Jesus ganz mathematisch zusammen, dann könnte man leicht auf die Idee kommen, die Tat am Nächsten könnte einem die Tür zu Gott öffnen.
V??
Es würde nämlich bedeuten, dass die Liebe Gott gegenüber und das barmherzige Handeln an Hilfsbedürftigen uns den Himmel öffnet.
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