Absalom

 

Status, Reichtum, Schönheit

Das war schon krass. Er hing ganz wehrlos an einem Baum und ist einfach abgestochen worden vom Heerführer seines Vaters. In der Folge haben ihn dessen 10 Waffenträger zu Tode geprügelt und irgendwo in einem Loch verscharrt. Das ist so gekommen: Absalom ist mit seinem Esel geritten und ist dabei dummerweise an einem Ast mit seinen Haaren hängen geblieben. Der Esel trabte fort und Absalom hing da, wehrlos. Seine Gefolgsleute waren wo anders. Joab, der Heerführer nutzte die Situation schamlos aus. Und dabei hatte David der König und Absaloms Vater, noch vor allen Soldaten befohlen, dass man Absalom nichts antun dürfe (2. Samuel 18,5). Das ganz krasse: Joab ist damit sogar davongekommen. 

Wenn das Ganze nicht so tragisch wäre, könnte man darüber lachen. Beim Lesen der Geschichte von Absalom fällt einem sofort auf, wie sie in unsere heutige Zeit passt. Da präsentiert sich Absalom in einer bestimmten Gegend in genau abgestimmten Kleidern mit einem passenden Worten an der Öffentlichkeit.

„Er stellte sich jeden Morgen in aller Frühe an das Tor zum Palast. Alle, die mit einer Streitsache kamen, um sie dem König als oberstem Richter vorzulegen, fragte er nach ihrer Heimatstadt. Wenn jemand zu einem der Nordstämme Israels gehörte, sagte Absalom zu ihm: Zweifellos würdest du den Prozess gewinnen, denn du bist im Recht. Aber man wird dich gar nicht erst bis zum König vorlassen“ … So verhielt sich Absalom gegenüber allen Leuten aus Israel, die mit ihren Streitigkeiten zum König nach Jerusalem kamen. Dadurch machte er sich bei ihnen beliebt“. (2. Samuel 15, 2-6).

 

Wie steigere ich meine Beliebtheit, das ist die Frage! Man lasse seinen Charme spielen und zeige sich möglichst oft Arm in Arm mit dem einfachen Mann auf der Strasse. Dass sich dabei Wahrheit mit Erfundenem mischt, gehört einfach dazu. Hauptsache, es macht einen guten Eindruck auf die Leute. Endlich hat er Möglichkeiten, um seine Eitelkeit zur Schau zu stellen. Er schafft sich Wagen und Gefolgschaft an. Die Leute kamen strahlend nach Hause. Mit Stolz erzählten sie in ihrem Dorf, dass sie Kronprinz Absalom persönlich gesprochen hatten. Absaloms Beliebtheit stieg unaufhörlich. Sind einmal die ersten Schritte gemacht, folgen bald weitere. Absalom tut alles, um an die Spitze zu kommen. Alles nur um gut da zu stehen und an die Macht zu kommen. Absalon integriert gegen seinen eigenen Vater. Er schreckt auch nicht davon Leute "weg zu räumen". Für die Bürger Israels war Absalom ein Held, kein Mörder. Um das zu entdecken müsste man schon etwas tiefer graben (2. Samuel 13). Traurig aber wahr: die offensichtlichen Charakterfehler Absaloms scheinen damals wie heute die Menschen nicht zu kümmern. Was zählt ist Statuts, Reichtum und Schönheit. Absalom hat sich selber zu Lebzeiten ein Dankmal errichten lassen, um seiner Bedeutung Ausdruck zu geben. Er hat dies getan, obwohl David sein Vater noch lebte und König war (2. Samuel 18,18). 

Unsere Welt setzt auf Äusserlichkeiten. Brustvergrösserung, Lippen und Muskeln aufpimpen, Markenkleider, das beste Smartphone, Zähne richten und weiss polieren, Deo und Parfüm … Sehr oberflächlich. Was man sich nicht alles kaufen kann und soll. Heute zählt fast nur noch das was sichtbar ist. Wir sehen uns als Mittelpunkt der Welt und finden uns gut. Die Ausrichtung auf uns selbst, der eigene Erfolg zählt. Beliebt sein, möglichst viele Likes, Influenzer sein. Wir sind so sehr damit beschäftigt, etwas darzustellen und unsere narzisstischen Gefühle zu befriedigen, dass andere Werte ganz vergessen gehen. Das kann richtig schief gehen - wie bei Absalom. Beziehungen zerbrechen. Gesundheit ruiniert. Und was bleibt am Ende der Karriere?

Chagall hat die ganze Tragödie sichtbar gemacht. Im Vordergrund ganz in roter Farbe, David der König und da ist Absalom auf den Knien, der bei seinem Vater Abbitte leistet. David lässt sich versöhnen, übrigens kein guter Vater und mitschuldig am ganzen Dilemma. Doch im Hintergrund sieht man in grüner Farbe wie als Kontrast die Zukunft, das tragische Ende. Absalom hängt am Baum.

Ich weiss nicht mehr, wo ich dieses Zitat gefunden habe, aber es trifft den Nagel auf den Kopf: „Das ist witzig: Wir dürfen das Leben nur vorwärts leben. Aber den Sinn erkennen wir erst wenn wir zurückschauen“.

Absalom hatte die besten Voraussetzungen. Er war der Sohn des Königs. Er hatte eine super Ausbildung genossen. Er kannte den lebendigen Gott, den sein Vater verehrte. Dennoch endet Absalom tragisch. Muss das sein?